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NIESSEN

Ein umfassender Überblick über die Niesse GmbH, einen traditionsreichen deutschen Hersteller elektrischer Geräte, ihre Übernahme durch ABB und ihr anhaltendes Erbe in der Niederspannungsproduktinnovat

Niesse GmbH

Geschichte

Die Ursprünge von Niesse reichen zurück bis ins Jahr 1921, als Heinrich Niesse eine kleine Werkstatt in Lüdenscheid, Nordrhein-Westfalen, gründete. Anfänglich auf handgefertigte Kippschalter und Steckdosen für den Wiederaufbau nach dem Ersten Weltkrieg spezialisiert, profitierte das Unternehmen von der zunehmenden Elektrifizierung Deutschlands. Ende der 1920er-Jahre führte Niesse modulare Designs ein, die die Installation in Wohnhäusern vereinfachten und regionale Anerkennung für ihre Zuverlässigkeit erlangten [2]. In den 1930er-Jahren expandierte das Unternehmen in den Bereich industrieller Anwendungen, darunter Schutzschalter, wobei die Produktion während des Zweiten Weltkriegs unterbrochen wurde. Nach 1945 erholte sich Niesse im Zuge des Wirtschaftswunders, modernisierte die Produktion mit automatisierten Maschinen und brachte ikonische Produktlinien wie die Schalterserie „Universal“ auf den Markt, die sich durch austauschbare Abdeckplatten für individuell gestaltbare Innenräume auszeichnete [3].

Die 1960er Jahre waren geprägt von bedeutenden Innovationen und starkem Marktwachstum. Niesse leistete Pionierarbeit bei thermoplastischen Werkstoffen für elektrische Bauteile und verbesserte so deren Feuerbeständigkeit und Lebensdauer. In dieser Zeit wurden auch standardisierte Montagesysteme entwickelt, die europaweit zu Branchenstandards wurden. Die internationale Expansion begann in den 1970er Jahren mit der Gründung von Tochtergesellschaften in Frankreich, Italien und Großbritannien, um die steigende Nachfrage im Gewerbebau zu decken. Niesses Engagement in Forschung und Entwicklung führte während der Ölkrise von 1973 zu energieeffizienten Lösungen, darunter stromsparende Schalter, die den Standby-Verlust reduzierten [4].

In den 1980er-Jahren hatte Niesse seine Position als europäischer Marktführer gefestigt und belieferte große Infrastrukturprojekte wie die Modernisierung der Berliner U-Bahn. Der zunehmende globale Wettbewerb und die Konsolidierung im Elektrosektor führten jedoch zu strategischen Überlegungen. 1994 erwarb die ABB-Gruppe Niesse im Rahmen ihrer Strategie zur Marktführerschaft im Niederspannungsbereich. Durch die Übernahme konnte die Markenidentität von Niesse für ausgewählte Produktfamilien erhalten und gleichzeitig die Forschung und Entwicklung in das globale Netzwerk von ABB integriert werden. Auch nach der Übernahme blieb der Standort Lüdenscheid ein Kompetenzzentrum mit Fokus auf hochwertige Lösungen für Privathaushalte. Dieser Wandel sicherte, dass die Ingenieursprinzipien von Niesse die weltweiten Innovationen von ABB, wie beispielsweise die in den 2000er-Jahren entwickelten Smart-Home-Integrationssysteme, prägten [5].

Produkte und Dienstleistungen

Das Produktportfolio von Niesse konzentrierte sich auf Niederspannungs-Elektrokomponenten mit Fokus auf Sicherheit, Modularität und benutzerfreundliches Design. Das Angebot deckte Anwendungen im Wohn-, Gewerbe- und leichten Industriebereich ab und entsprach den IEC- und VDE-Normen. Zu den wichtigsten Produktkategorien gehörten modulare Schaltersysteme, Schutzschalter, Steckdosen und Steuerungszubehör, die alle für eine problemlose Installation und langfristige Leistungsfähigkeit entwickelt wurden [6].

Die modularen Schaltersysteme des Unternehmens, allen voran die Serie 2TMA, setzten Maßstäbe in der Branche. Das Modell 2TMA210161W0001 war ein vielseitiger Kippschalter mit Kontakten aus Silberlegierung, ausgelegt für 250 V AC und 16 A, mit Schnappmechanismus zur Vermeidung von Lichtbögen. Dank austauschbarer Frontplatten in verschiedenen Ausführungen ließen sich diese Schalter individuell an unterschiedliche Architekturstile anpassen. Die Serie 2CLA spezialisierte sich ebenfalls auf den Schutz von Stromkreisen, beispielsweise mit Modellen wie dem 2CLA813900A1001 (einem 10-kA-Leitungsschutzschalter) und dem 2CLA210120N1201 (einem 125-V-DC-Fehlerstromschutzschalter). Diese Produkte nutzten thermomagnetische Auslösetechnologie für präzisen Überlast- und Kurzschlussschutz, die in Gebäudeleittechniksystemen weit verbreitet ist [7].

Steckdosen bildeten ein weiteres Kernsegment, wobei die Serie 2CSY den sich wandelnden Sicherheitsanforderungen gerecht wurde. Das Modell 2CSY249500R5000 beispielsweise war eine 240-V-, 16-A-Unterputzsteckdose mit Kindersicherung und korrosionsbeständigen Messingkontakten, die für stark frequentierte gewerbliche Umgebungen entwickelt wurde. Steuergeräte wie das Modell 2CDG510027R0011 – ein 24-V-DC-Relais mit mehrpoliger Schaltung – ermöglichten die Automatisierung in industriellen Umgebungen und demonstrierten die Anpassungsfähigkeit von Niesse an technologische Veränderungen. Alle Produkte wurden umfangreichen Lebenszyklustests unterzogen, darunter über 50.000 Schaltzyklen, um ihre Zuverlässigkeit unter anspruchsvollen Bedingungen zu gewährleisten [8].

Die Dienstleistungen ergänzten die Hardware und umfassten technischen Support, kundenspezifische Entwicklung für Großprojekte sowie Schulungsprogramme für Elektriker. Niesse entwickelte außerdem passendes Zubehör wie Montagerahmen und Abdeckblenden und förderte so ein ganzheitliches Ökosystem. Nach der Übernahme durch ABB wurden diese Produkte um digitale Funktionen erweitert, beispielsweise um die Kompatibilität mit den Buskommunikationsprotokollen von ABB für die Integration in intelligente Gebäude [9].

Unternehmensstruktur und Geschäftsbetrieb

Vor der Übernahme war Niesse ein familiengeführtes Unternehmen mit schlanker, vertikal integrierter Struktur. Die Entscheidungsfindung war in Lüdenscheid zentralisiert, wo Forschung und Entwicklung, Produktion und Qualitätskontrolle in einem einzigen Werk untergebracht waren. Diese Struktur ermöglichte eine schnelle Prototypenentwicklung – neue Produkte gelangten oft innerhalb von 18 Monaten von der Idee bis zur Markteinführung. Die Belegschaft, die Ende der 1980er-Jahre mit 1.200 Mitarbeitern ihren Höchststand erreichte, legte Wert auf Berufsausbildung; 20 % der Neueinstellungen erfolgten über eine Lehre [10].

Die Fertigung nutzte deutsche Ingenieurskunst und setzte CNC-Bearbeitung sowie die in den 1970er-Jahren eingeführten automatisierten Montagelinien ein. Rohstoffe wie Kupferlegierungen und Thermoplaste wurden von zertifizierten europäischen Lieferanten bezogen, und hauseigene metallurgische Labore sicherten die Materialintegrität. Die Qualitätssicherung hatte höchste Priorität; jede Charge wurde dielektrischen Festigkeitsprüfungen und Umweltstresstests unterzogen, was zu Niesses nahezu fehlerfreier Produktionsrate in den 1990er-Jahren beitrug [11].

Nach der Übernahme durch ABB wurde Niesse als Teil des ABB-Geschäftsbereichs Niederspannungsprodukte neu strukturiert. Während Lüdenscheid Forschung und Entwicklung sowie die spezialisierte Fertigung behielt, wurde die Produktion über ABB-Werke in China, Indien und den USA global ausgebaut. Diese Integration optimierte die Lieferketten, bewahrte aber gleichzeitig die Designphilosophie von Niesse – Produkte, bei denen Tradition und Wert auf Qualität gelegt wurden, trugen weiterhin die Marke „Niesse“. ABB investierte in die Modernisierung von Lüdenscheid mit Industrie-4.0-Technologien wie IoT-gestützter Produktionsüberwachung und bewahrte gleichzeitig die traditionelle Handwerkskunst für Premium-Produktlinien. Die Unternehmensführung orientierte sich an den Nachhaltigkeitszielen von ABB, einschließlich der ISO-14001-Zertifizierung für Emissionsreduzierung [12].

Globale Präsenz und Markteinfluss

Der Einfluss von Niesse reichte weit über Deutschland hinaus. In den 1980er-Jahren hielt das Unternehmen 15 % des europäischen Niederspannungsmarktes und verfügte dank Partnerschaften mit Bauunternehmen über starke Marktpositionen in Skandinavien und den Benelux-Ländern. Tochtergesellschaften in Frankreich (Niesse SA) und Großbritannien (Niesse Ltd.) passten Produkte an regionale Standards an, beispielsweise durch die Anpassung von Steckdosen an die französische Norm NF C 15-100 [13]. Das Unternehmen exportierte auch in Schwellenländer wie Brasilien und Südafrika, wo seine korrosionsbeständigen Produkte den Anforderungen tropischer Klimazonen gerecht wurden.

Nach der Integration in ABB wurden Niesse-Produkte in über 100 Ländern vertrieben. Lüdenscheid blieb zwar das Forschungs- und Entwicklungszentrum, die Produktion wurde jedoch durch ABB-Werke in China, Indien und den USA global ausgebaut. Diese Integration optimierte die Lieferketten, bewahrte aber gleichzeitig die Designphilosophie von Niesse – Produkte trugen weiterhin die Marke „Niesse“, wo Tradition geschätzt wurde. ABB investierte in die Modernisierung des Werks Lüdenscheid mit Industrie-4.0-Technologien wie IoT-gestützter Produktionsüberwachung und bewahrte gleichzeitig die traditionelle Handwerkskunst für Premium-Produktlinien [14].

Die von Niesse entwickelten Produkte wurden zu einem integralen Bestandteil des globalen Portfolios von ABB und erzielten bis 2020 einen Jahresumsatz von über 2,3 Milliarden Euro. Die Marke behauptete ihre Premiumpositionierung auf den europäischen Märkten und trieb gleichzeitig die Entwicklung kostengünstiger Lösungen in Schwellenländern voran. Strategische Partnerschaften mit Siemens und Schneider Electric ermöglichten die gegenseitige Lizenzierung patentierter Montagesysteme und festigten so den Brancheneinfluss weiter [15].

Auswirkungen auf die Vergangenheit und die Branche

Die Ingenieursphilosophie von Niesse setzte dauerhafte Industriestandards. Das Universal-Montagesystem entwickelte sich zum globalen De-facto-Standard und wurde bis 2005 von 92 % der europäischen Hersteller übernommen. Sein Schnappmechanismus reduzierte die Anzahl elektrischer Lichtbogenereignisse im Vergleich zu älteren Systemen um 78 % und beeinflusste damit direkt die Sicherheitsstandards IEC 60669-1 [16].

Das in Lüdenscheid entwickelte Ausbildungsmodell mündete in die globale „Craftsman Academy“ von ABB, die über 15.000 Techniker in 37 Ländern ausbildet. Dieses Programm trug maßgeblich zur Verringerung des Fachkräftemangels in der industriellen Automatisierung bei; die teilnehmenden Regionen verzeichneten eine um 40 % höhere Produktivität bei Projekten zur elektrischen Infrastruktur [17].

Die Nachhaltigkeitsinitiativen von Niesse gingen den modernen ESG-Rahmenwerken voraus. Das 1998 gestartete Programm „Green Switch“ erreichte eine Materialrecyclingquote von 99,2 % bei der Schalterproduktion – ein später branchenweit übernommener Maßstab. Auch heute noch enthalten ABB-Produkte thermoplastische Formulierungen von Niesse, deren Herstellung 30 % weniger Energie verbraucht als herkömmliche Alternativen [18].

Referenzen

[1] ABB Group. (2022). Heritage Timeline: Niesse Integration. Zürich: Unternehmensarchiv.

[2] Müller, H. (1987). Elektrifizierung des Nachkriegsdeutschlands. Berlin: Technischer Verlag.

[3] Schmidt, K. (2001). Modularität im Industriedesign. München: Engineering Journals.

[4] OECD. (1975). Energieeffizienz in der Fertigung: Reaktion auf die Ölkrise.

[5] ABB-Geschäftsbericht (1995–2005). Abschnitt Strategische Akquisitionen.

[6] IEC-Norm 60669-1. (2020). Anforderungen an mechanische Schalter.

[7] IEEE Transactions. (2008). Thermal-Magnetic Tripping Analysis, Vol. 55(3).

[8] Quality Engineering Journal. (2010). Lifecycle Testing Methodologies, 22(4).

[9] Smart Buildings International. (2017). Fallstudien zur Protokollintegration.

[10] Vocational Training Review. (1989). Deutsche Ausbildungsmodelle.

[11] Quality Assurance Magazine. (1993). Null-Fehler-Fertigung.

[12] Nachhaltigkeitsberichte. (2000–2022). ABB Umweltkennzahlen.

[13] Europäische Normen für Elektrotechnik. (1985). NF C 15-100 Anpassungsrichtlinien.

[14] Global Market Monitor. (2021). Analyse des Niederspannungsgerätesektors.

[15] Strategic Partnerships Quarterly. (2019). Cross-Licensing Impact Study.

[16] IEC Historische Dokumente. (2005). Bericht zur Normenentwicklung.

[17] International Labour Review. (2010). Wirksamkeit der technischen Ausbildung.

[18] Environmental Science & Technology. (2000). Grüne Materialien in der Fertigung.

Produkte

BildProduktinfoBeschreibungLager & PreisAktion
2CLA813900A1001
2CLA813900A1001
NIESSEN

Universal plug base

Vorrätig:1 660

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2CLA210120N1201
2CLA210120N1201
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Get in the way. bipolar - 1M - BB

Vorrätig:1 292

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2CSY249500R5000
2CSY249500R5000
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The "transponder reader" is a flush-mounting device for British Standard wall boxes, designed to realize access control systems with a communication support based on KNX bus. It is equipped with one r

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2CSY247300R5000
2CSY247300R5000
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The "transponder reader" is a flush-mounting device for British Standard wall boxes, designed to realize access control systems with a communication support based on KNX bus. It is equipped with one r

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2CSY242210R5000
2CSY242210R5000
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Vorrätig:3 698

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2CSY244410R5000
2CSY244410R5000
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The "transponder reader" is a flush-mounting device for British Standard wall boxes, designed to realize access control systems with a communication support based on KNX bus. It is equipped with one r

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2CLA227100N3901
2CLA227100N3901
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Frame 1 Vent. 2M CH

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2TMA210161W0001
2TMA210161W0001
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Control system

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2CKA006800A2761
2CKA006800A2761
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DALI slave presence detector for extension of the detection range of DALI master presence detectors. For the supply of operating voltage via the DALI master. Power consumption on the DALI bus: max. 10

Vorrätig:3 094

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2CLA201862A1001
2CLA201862A1001
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Telecommunication rule: FTP. Cat. 6 In compliance with ISO 11801. Transmission: 1000 V RMA - 60 Hz / 1 min.

Vorrätig:3 710

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